Literaturkritiker Denis Scheck brachte auf der Frankfurter Buchmesse auf den Punkt, was alle dachten: »Die Welt geht unter, im Suhrkamp Verlag erscheint eine Graphic Novel!« Nun hat sich die Welt seitdem glücklicherweise doch noch etwas weitergedreht, sodass wir die Zeit fanden, uns jenes Werk einmal genauer anzusehen. Bei dieser wellenschlagenden Graphic Novel handelt es sich um »Kiesgrubennacht«, die Autobiographie  von Volker Reiche. Dieser sollte den meisten noch für seine Comic-Strip-Reihe »Strizz« in der FAZ bekannt sein, in welcher der gleichnamige Büroangestellte seinen Vorgesetzten mit ausgeflippten Ideen immer wieder auf die Palme bringt. »Kiesgrubennacht« ähnelt der Reihe auf den ersten Blick sehr, vor allem der Zeichenstil ist nahezu derselbe. Weiterlesen

414_04525_109089_xlEin großes Ereignis beschäftigt die Verlagswelt schon seit Anfang des Jahres: Michael Krüger, der Titan der deutschen Literatur und bis dato Leiter des Hanser Verlags, geht in den wohlverdienten Ruhestand. Über seinen Nachfolger Jo Lendle sind die Meinungen momentan zwar noch geteilt, so viel hat man bisher vernehmen können: ist jung, aber nicht unerfahren, nett, aber nicht naiv und nebenbei auch Autor.
2011 erschien in der Deutschen Verlagsanstalt »Alles Land«, ein Roman, dessen einziger Fehler es zu sein scheint, dass er nach »Die Vermessung der Welt« erscheinen musste. Weiterlesen

Es gibt Autoren, die man am besten lesen und nur aus der Ferne beobachten sollte, sie schreiben exzellent, sind aber arrogant, unsicher oder unnahbar oder alles zusammen.

Es gibt aber auch Autoren, die man liest und aus der Ferne sieht und sie werden aus der Nähe größer. Einer von ihnen ist Emil Steinberger. So gelassen, so freundlich und trotz seiner Welterfolge so bescheiden und vor allem offen, dass der Leser einmal mehr lernen kann: Erfolg ist doch nicht so schlimm wie sein Ruf. Weiterlesen

Es gibt spleenige Autoren. Victor Hugo schrieb »Les Miserables« nackt. Dann gibt es Autoren, die zu Lebzeiten zu wenig beachtet wurden. Richard Yates beispielsweise. Und dann gibt es Nathanael West. Dessen verworrener Lebenslauf zwischen jüdischen Wurzeln, dem Paris der Bohème und Hollywood zeugt von einem Menschen, der den Zeitgeist seiner Generation schneller durchblickt hatte als alle anderen und der deshalb zum vorläufigen Scheitern verurteilt war. Er war ein Idol für Autoren wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald und prophezeite im Jahre 1939 bereits den Zusammenbruch des Studio-Systems von Hollywood, der in den 50ern dann auch Einzug halten sollte. Weiterlesen

978-3-644-48441-2.jpg.653676Selten hat eine neue Technologie ihr Potential so wenig ausgeschöpft, wie das Elektronische Buch. Zwar wird in Studien davon ausgegangen, dass der Vertrieb von E-Books in Deutschland mehr als sechs Prozent ausmacht, im englischsprachigen Raum sogar noch mehr, doch rein vom Erscheinungsbild her hat sich seit dem Jahre 1988, in dem der erste elektronische Roman erschien („Mona Lisa Overdrive“ von William Gibson), nicht viel getan. Sicher, inzwischen gibt es stärkere Bildschirmbeleuchtung, schönere Seitendarstellungen und man kann seine virtuellen Bücher in virtuelle Regale stellen, doch das E-Book bleibt, was seine Kritiker ihm vorwerfen: Ein nicht ausgedrucktes Buch. Weiterlesen

T.C. Boyle muss man nun wirklich nicht mehr vorstellen. Der Schlacks mit dem schönen Zweitnamen Coraghessan gehört zu den ganz Großen der amerikanischen Literatur.
Entsprechend groß ist die Nervosität, als wir die Lounge des Stuttgarter Hotels »Am Schlossgarten« betreten. Schicke Sessel, edles Interieur. Und inmitten: ein überaus freundlicher T.C. Boyle. Nur müde sei er, denn die Deutschlandtour sei wohl doch sehr strapaziös. Und in wenigen Stunden stehe schon die nächste Lesung auf dem Programm. Aber zum Glück können wir noch ein paar Fragen loswerden, bevor der Meister zum Nickerchen in seine Suite entschwindet.
     

Boyle macht es sich bequem
T.C. Boyle macht es sich in Stuttgart bequem

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Es war der Aufreger der Buchmesse 2013: Paulo Coelho, dessen Gesicht man schon einmal vorsorglich auf alle Shuttle-Busse und sonstig verfügbare Flächen geklebt hatte, gab bekannt, er würde nicht nach Frankfurt kommen.
Als Grund gab der 66-Jährige die Korruption in seinem Land an, die anscheinend auch in der Auswahl der Autoren ihre Klauen ausstreckte. Von den 70 Autoren, die eingeladen wurden, so Coelho, kenne er nur 20, die anderen seien vermutlich eher die Freunde von irgendwem, und weniger wegen ihrer literarischen Größe vor Ort, als vielmehr durch Vetternwirtschaft. Ein schwerer Vorwurf, wenn auch kein völlig unbegründeter, da sich Brasilien nach wie vor mit Themen wie der Korruption oder der Gewalt durch Staatsorgane auseinandersetzen muss. Weiterlesen

Boyle_24323_VS_MR1.inddEin neues Jahr, ein neuer Boyle. Beglückte der Hanser-Verlag die Leser 2012 noch mit dem Ausflug ins Tierreich »Wenn das Schlachten vorbei ist«, so steht nun schon das nächste Werk vor der Tür: »San Miguel«, benannt nach der Insel vor der kalifornischen Küste, die gleichzeitig auch den Handlungsort liefert.

Bereits im Vorfeld gab es viel Furore: »Das wird sein erster Roman ohne Sarkasmus!«, sagten die einen, »Er bleibt sich treu«, sagten die anderen. Die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo in der Mitte. Sicher ist das ein Roman von T. C. Boyle, das merkt man auf jeder Seite, zwischen jeder Zeile, in jedem Gedanken. Doch die Atmosphäre wirkt nüchtern, weniger überdreht, beklemmend. Das Elend passiert, das steht fest, doch beim Leser bildet sich nicht die sonstige süffisante Schadenfreude gepaart mit Fassungslosigkeit, sondern vielmehr Mitleid und Bedauern. Weiterlesen

Im Bahnhof einer kleinen Stadt im österreichischen Hinterland wird eine herrenlose Tasche gefunden. Sofort entsteht Panik, das anrückende Bombenkommando entdeckt jedoch kurz darauf, dass sie außer etwas Metallschrott und einigen geschwollen Warnungen nichts bedrohliches enthält. Alle sind erleichtert. Alle? Nein, der Lehrer des Ortes meint in der Art der Aktion und auf den Fahndungsfotos einen seiner ehemaligen Schüler zu erkennen. Für ihn beginnt nun eine Suche nach dem Jungen, dem Grund der Tat und den eigenen Fehlern. Weiterlesen

Der Bachmann-Preis 2013 ist vorbei, schauen wir vor der Sommerpause doch noch einmal schnell in die Gewinnerin von 2012 hinein. Schon beim Titel hat man die leichte Vorahnung, dass es eher eine abstrakte Angelegenheit wird, und damit liegt man auch nicht falsch. Aber um das Schlüsselbein von Mörike geht es wirklich. Versprochen. Weiterlesen

613EgruTmNLDer Name »Emil« steht für gute Unterhaltung. Jedes Kind kennt die Geschichte vom Jungen, der nach Berlin fährt und im Zug einem Herrn mit steifem Hut begegnet. Oder denken wir an »Emil Grünbär«, das Kinderbuch von Janosch. Und natürlich Emil Steinberger, den berühmten Schweizer Kabarettisten. Um diesen soll es im Folgenden auch gehen, wurde er doch dieses Jahr achtzig Jahre alt. Das zum Anlass nehmend, erschien in der Perlenreihe des knapp-Verlags sein neues Buch »Lachtzig«, eine liebevolle Hommage von und für den wohl humorvollsten Achtzigjährigen der Schweiz. Weiterlesen

Wenn eine Seite in einem ernsthaften Dialog rational argumentiert und die andere Seite kein einziges Argument entkräftet, sondern mit Polemik den Gegner fertig zu machen versucht, dann hat diese Seite bereits verloren. Auch Kinder- und Jugendbücher haben ihre Literaturpreise. Der wichtigste Preis ist unbestritten der Deutsche Jugendliteraturpreis. Dieser Preis wird aber leider bis heute nach nicht nachvollziehbaren Kriterien vergeben. Weiterlesen