
Youtube-Stars, Blogger und Doku-Soap-Darsteller: Alles unsägliche Zeitgenossen, denen das Geschenk des Lebens verwehrt sein sollte. So die Einschätzung des Mörders, der im fünften Band der Krimi-Reihe »Die Menschen, die es nicht verdienen« von Hjorth&Rosenfeldt sein Unwesen in der schwedischen Medienszene treibt.
Sternchen um Sternchen des Trivial-Fernsehens sowie der digitalen Parallelwelt sterben per Bolzenschuss, bis die Strippenzieher und Realisatoren des kulturellen Untergangs ebenso gerichtet werden. Der Tod klettert die Verblödungspyramide Stück für Stück nach oben. Ein Rundumschlag. Brachial und nordisch blutig.
Der Mörder, ein Retter der Hochkultur? Einer, der akademische Bildung als absoluten Wert, als Identität der aufgeklärten und selbstbestimmten Gesellschaft begreift? So zumindest sind die Gedanken des Mannes einzuordnen, der nicht bestandene Wissenstests auf die Rücken seiner Opfer tackert.
Taufrisch ist sie nicht mehr, Tzvetan Todorovs »Einführung in die fantastische Literatur«, und wer hier einen Überblick über Motive und Tendenzen der fantastischen Literatur der vergangenen Jahre erwartet, launig und gut lesbar aufbereitet, ist klar an der falschen Adresse. Aber eine solch zusammenfassender Abriss mit Anspruch auf Unterhaltung wie auf Information war auch schon bei Erscheinen nicht das Ziel der knappen Studie. Stattdessen betreibt Todorov Literaturwissenschaft mit Betonung auf Wissenschaft, und das wirkt in einer Zeit, in der die Grenzen zwischen wissenschaftlichem Schreiben und quasi-literarischer Essayistik zunehmend verschwimmen, in höchstem Maße unzeitgemäß. Der analytische Rigorismus, mit dem hier der Literatur auf den Leib gerückt wird, ist heute kaum mehr zu finden. Er gehört ganz einer Epoche an, in welcher der Strukturalismus das maßgebliche Paradigma der Literaturwissenschaft war, verbunden mit bis heute klingenden Namen: Roland Barthes, Umberto Eco, Julia Kristeva. Und nicht zuletzt: Tzvetan Todorov. 